OUSIA Architektur – menschlich, natürlich, energievoll

Auf dieser Seite der Philosophie, wörtlich aus dem griechischen „Liebe zur Weisheit“, werden wir nach und nach Artikel zu unserer Auffassung eines erweiterten Architekturverständnisses veröffentlichen. Wir werden neues und (ur-) altes interdisziplinäres Wissen mit dem Aktuellen erweiternd verbinden und dabei einen starken Bezug zum Menschen, zum Menschsein, herstellen. Es werden Beiträge sein, die ein tiefes Verständnis des Menschen im allgemeinen und speziellen mit dem Prozess zu bauen, der Materie von Gebautem und Gestaltetem in Verbindung setzt.

Es geht um Gefühle, körperliche und seelische Gesundheit, energetische Wechselwirkungen, Bedeutung und Ausstrahlung von Materialien, den Bezug vom Gebäude zur Erde und zum Ort, um Naturkräfte, das Licht, Übergänge, Rituale, das Leben an sich, Auswirkungen von gestalteten Details, Farben, um das „Wesen“ der Dinge.

Dies alles nicht als Selbstzweck sondern als Ergänzung zeitgemäßen, bewussten, ökologischen, nachhaltigen, energiesparenden Bauens, auf aktuellem Stand der Baukunst und der Regeln der Technik.

 

Mensch und Architektur

Anders als bei der Frage nach der Henne und dem Ei existiert hier völlig eindeutig der Mensch vor der Architektur und er war es, der aus sich heraus seiner schützenden und später auch schmückenden Hülle die Funktion abverlangte und ihr die Form gab. 

Vielleicht nicht zuallererst, als die Behausungen noch gefunden werden mussten und leider oft auch nicht mehr in der daran gemessenen jüngeren Geschichte. Sind z.B. heutige Kindergärten und Schulen in ihrer Form, Ästhetik, Sinnlichkeit und Funktionalität wirklich aus dem Bedürfnis der Nutzer geboren oder sind sie noch einer inzwischen überholten Denkweise verpflichtet, den Menschen in die Form zu bringen, ihn immer noch gleich preußischer Kadetten zu konditionieren? In sinngemäßer Fragestellung ließe sich jede Gebäudetypologie aus aktuellem Blickwinkel hinterfragen.

Wo ist und bleibt also der Mensch im aktuellen Baugeschehen?

Und denjenigen, die behaupten, sie würden für die Menschen gestalten, planen und bauen müsste man die Frage stellen, was sie denn im Menschen erkannt haben?

Die Frage lautet: ist der unweigerliche Schöpfungsakt, der jeder Bautätigkeit vorausgeht, inspiriert vom Erkennen des Menschen? Vom kollektiven Seinszustand, denn Bauen ist immer auch eine gesellschaftliche Verpflichtung, bis hin zu den individuellen Bedürfnissen und Befindlichkeiten des Individuums. 

Ein wahrhaft inspiriertes Bauwerk, gleich welcher Typologie, wurzelt in den geistigen, emotionalen und seelischen Strömungen seiner Zeit und ist doch gleichzeitig der sinnlichen Inkubation kommender Generationen verpflichtet. Es ist damit eine bipolare Manifestation der Vergangenheit und der Zukunft zugleich.

Die Beziehung zwischen Mensch und Bauwerk ist neben der selbstverständlich funktionalen, vor allem eine sinnliche – eine emotional energetisch schwingende Wechselwirkung.

Ein in diesem Sinne inspiriertes Bauwerk ist ein spirituelles Wesen aus Materie. Werken aus der Kunst und der Musik wird diese Qualität früher, wie auch heute ohne weiteres zugesprochen. In der Architektur gilt es diese Grundwerte wieder zu entdecken und im Schöpfungsakt lebendig werden zu lassen.

Dafür gilt es zu allererst den Mensch zu verstehen, ihn zu spüren, ihn zu hören. Wichtig dafür ist auch, die Dynamik unserer Entwicklung mit einzubeziehen. Die Zyklen, in welchen wir Menschen uns durch uns selbst hindurch, gleich einer unendlichen Umstülpung, weiterentwickeln und an Komplexität zunehmen, werden immer kürzer. Gebäude sind dagegen mit das Langlebigste, was die Menschheit hervorbringt.

Seit der Aufklärung und dem sich durchsetzenden Erfolg der (natur-) wissenschaftlichen Errungenschaften, gerade in unserem westlichen Kulturkreis, ist die Denkweise und der Erkenntnisprozess geprägt von spezialisiertem und differenziertem Suchen und Finden.

Der generelle universelle Blick ist seit sehr langer Zeit aus der Mode gekommen, bis wir ihn schließlich verlernt haben. In der heutigen Zeit ist für den aufmerksamen Beobachter wieder ein zartes Aufkeimen dieses unerlässlichen und dem Menschen als beseeltes Wesen zutiefst entsprechenden Betrachtungsanspruches erkennbar.

Die Quelle für den Schaffensakt des Baumeisters – in diesem alten Wort schwingt bereits der generelle Anspruch – ist die Komplexität des Menschen. Es ist Gnade, diese fühlen und erkennen zu dürfen.

Es ist ein innerer Weg, der zu dieser Gnade führt. 

Dieser Weg ist leider noch nicht Bestandteil, ja, noch nicht einmal Bewusstsein unserer an sich faktisch guten Ausbildungen. Das Fehlen führt zur Überbetonung des Faktischen.

Es bedarf also für die Erforschung und Verfeinerung dieser Ansätze der Beziehung zwischen Mensch und Architektur der interdisziplinären Zusammenarbeit beider Seiten: derer, die Planen und Bauen und derer, die in ihrer Arbeit mit Menschen neue inspirierende Erkenntnisse zum Menschsein erlangen und neue Methoden entwickeln den Menschen überhaupt in seinem Innersten sehen zu können.

Nur wenn es uns gelingt, weiter als bislang in das Innerste der Menschen, des Menschseins blicken zu können, haben wir annähernd eine Chance, dem schneller werdenden Wandel zukunftsträchtige Bauwerke mit auf den Weg zu geben.

(Christian Grayer)